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Wie alles beginnt!

von H.P. Neuse
Nun, ich heiße sie herzlich willkommen im Kreise der unheilbar Infizierten. Zur Erklärung, sie sind mit dem Guppyvirus infiziert, als Infizierter gehören sie zu den Guppyioten und die unheilbare Krankheit nennt sich Guppyotie! Once again, willkommen im Klub!!!
Was das zu tun hat mit den nun folgenden Erklärungen und Anweisungen? Warten sie`s ab, schon beim Bau der Anlage werden sie das merken!!!!

Fangen wir an. Bevor sie mit dem züchten beginnen sollten sie sich Gedanken machen wo die Anlage stehen soll. Das hat Gründe. Erstens, denken sie daran, sie sind infiziert, aus einer kleinen Anlage wird fast immer eine größere. Also achten sie darauf, bei der Planung Möglichkeiten für die Vergrößerung mit einzubeziehen!

Ferner ist eine Anlage im Heizungskeller eine Möglichkeit, Energiekosten zu sparen. Die Becken werden dann über die Raumluft geheizt. Einige von uns haben die Anlagen in der Küche oder im Wohnzimmer stehen. Andere wiederum räumen ihre Besenkammer aus. Egal, der Platz ist nicht so wichtig. Achten sie darauf, die Becken sollten nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden. Und natürlich sollten sie in und an der Anlage gut arbeiten können. Und achten sie auf Stecker in der Nähe, sie brauchen Strom!

Beginnen sie mit dem Kauf eines Regals. Früher war Sten von IKEA eine gute Wahl, der Nachfolger, Gorm ist wegen der Tragfähigkeit der Böden mit Vorsicht zu genießen. Wollen sie ein Regal aus Holz, fahren sie in den Baumarkt. Preisgünstig und leicht selber zu machen sind Regale aus Kantholz. Diese haben zudem noch den Vorteil, sie können sich die Größe frei wählen!

Ein Beispiel: Regal 1 m breit, 05m tief und 1,70 hoch! Dazu benötigen sie vier Kanthölzer 5 x 20 cm, auf die sie 2 Kanthölzer 5 x 100 cm legen und verschrauben. Verschrauben sie die langen Kanthölzer an den äußeren Enden innen mit 5 x 40 cm Kanthölzern so dass die unterste Etage entsteht. Nun haben sie die unterste Etage mit den Maßen 1 m breit, 50 cm tief und 25 cm hoch. Natürlich sind die Abmessungen ihnen überlassen. Nach dem gleichen Verfahren errichten sie die anderen Etagen!

Wem das zu viel Mühe macht, der kauft sich ein Schwerlastregal! Meist sind diese von den Abmessungen nicht so günstig! Und da wir einmal im Baumarkt sind, nehmen wir gleich die Beleuchtung mit. Bewährt haben sich ganz normale Leuchtstoffbalken. Nassraumleuchten tuns selbstverständlich auch!!! Für die Ringleitung reichen Plastikrohre, für den Elektriker! Aber auch PVC Schlauch ist eine gute Wahl! Nehmen sie reichlich 4/6 grünen PVC Schlauch mit, für die Luftzuleitungen zu den Filtern. Eine feine Sache zur Regulierung sind Gardena Hähnchen, leider auch recht teuer!

Nachdem das Regal steht, montieren sie zuerst die Leuchtstoffbalken! Achten sie darauf, dass diese über eine Zeitschaltuhr laufen sollen!! Wählen sie also eine Verkabelung, die in einen Stecker mündet!!
Dann legen sie die Ringleitung für die Filterung!! Unerlässlich, schon aus Kostengründen sollten sie nicht mit Motorinnenfitern arbeiten!!! Die Befestigung der Ringleitung bleibt ihnen überlassen. Bewährt haben sich Draht oder etwas größere Schellen. In die Ringleitung, gleich ob Schlauch oder Plastikrohr, bohren sie kleine Löcher, in welche die 4/6 Schläuche mit Silikon eingeklebt werden! Achten sie auf die passenden Länge, wäre ärgerlich, sie müssten wegen eines zu kurzen Schlauches noch mal die Arbeit machen!! Drehen sie nun die Gardena Hähnchen ein, oder billigere Plastik Hähnchen von Hobby.
Schließen sie die Ringleitung an einen Kompressor an. Sehr bewährt haben sich die Hagen Kompressoren, die leise und leistungsstark sind! Dort ist auch ein 6 Wege Verteiler aus Metal beigegeben, den wir später für unsere kleinen Becken brauchen können.

Achtung, wenn sie handwerklich so überaus begabt sind wie ich, brauchen sie (auch wie ich) unbedingt einen Bruder der Elektriker ist und diese Arbeiten (und wenn's geht noch ein paar mehr) für sie erledigt!!
Es ist so weit, die Anlage steht und ist beleuchtet, die Ringleitung ist gelegt und der Kompressor angeschlossen, und alles funktioniert bestens. Eine Kleinigkeit fehlt noch, die Becken. Bleiben wir bei der 1m breiten Anlage. Denn die ist ausreichend um einen Stamm zu züchten. Unten sollten sie drei 60er Becken, in die darüberliegende Etage 50er Becken, auch drei Stück (alternativ auch 60er Becken) und dann sollten sie 40er Becken mit 25 L Inhalt nehmen. Je nach Platz drei oder vier. Bei einem gekauften Regal haben sie meist nur drei Böden, bei einem selbstgemachten Regal sollten sie vier Etagen bevorzugen. Auf die oberste Etage stellen sie fünf 12 L Becken!!

Je nach Zuchtmethode können sie nun gleichzeitig 6 Würfe (Schwarmzucht) oder drei Würfe, (getrennt nach Männlein und Weiblein) sowie 4 Ansätze machen und 5 Weibchen abwerfen lassen.
Kommen wir zu einem neuen Thema. Die Filterung. Eigentlich brauchen wir da nicht lange drüber zu reden, denn wir filtern ja mit Luft. Also haben sie nicht mehr Möglichkeiten als auf die Schwammfilter, die Dreiecksfilter oder auch HMF (Hamburger Mattenfilter) zurückzugreifen. Bitte beachten sie von vorneherein, oft sind ihre Becken stark besetzt, die kleinen Tetra Billi oder Sera Filter sind vom Volumen allenfalls für ein 12 L Becken geeignet. Übrigens, für diese Größe sind die Dreiecksfilter besser geeignet!
Gut geeignet sind selbstgebaute Schwammfilter oder die bekannten Willmer Filter mit einer langen Standdauer und hohem Volumen!

Eigentlich steht jetzt alles, sie lassen Wasser ein, die Filter gehen, das Licht ist an und gewartet haben sie auch lange genug (siehe 1. Teil) Ob sie dekorieren, Kies in die Becken tun, diese bepflanzen oder auch nicht bleibt ganz alleine ihnen überlassen.

Viele Züchter bevorzugen blanke Böden, die besser zu reinigen sind Einige haben unbepflanzte Becken, andere Wurzeln und Pflanztöpfe aus Keramik in den Becken, wieder andere Mooskugeln. Wie sie es auch machen, denken sie dran, sie müssen ohne Hektik und Stress für die Tiere in den Becken hantieren können, Wenn sie erst großartig Einrichtung entfernen müssen, haben sie bei den Tieren schon viel Stress ausgelöst!
Die Tiere können Einzug halten! Das Problem mit der Beschaffung erstklassigen Zuchtmaterials haben sie gelöst, denn sie sind selbstverständlich Mitglied eines Klubs! Ihre Klubkameraden werden ihnen ganz gewiss mit gutem Material unter die Arme greifen! Sind sie nicht in einem Klub, haben sie ein Problem. Zwar können sie mittlerweile auch übers I-Net Tiere erwerben, aber dazu rate ich nicht! Fahren sie zum Züchter, reden sie mit ihm über seinen Stamm und quetschen sie ihn aus! Merkt der Züchter, das ist einer mit Interesse, wird er ihnen auch in Zukunft helfen!

Beginnen sie am besten mit 4 Männchen und 8 Weibchen. Diese passen als Trios in die vier 25er Ansatzbecken. Die Menge der Tiere ist, wenn auch nur ansatzweise, ein Gegengewicht zum Genverlust und zur mangelnden genetischen Variabilität! Mehr hierzu lesen sie im Artikel von H. Turesson, GB, 4/2002.
Die Prozedur des Eingewöhnens ist schon beschrieben. Immer wieder diskutiert wird die Frage der Temperatur. Die Temperatur in den Ansatzbecken sollte um die 25° sein, die in den Wurfbecken, in denen sie ja auch die Jungen aufziehen bis zum umsetzen in die größeren Becken sollte etwas höher sein! Bitte bedenken sie, höhere Temperatur bewirkt auch einen höheren Stoffwechsel. Die Babies wachsen schneller. Werden die Kleinen dann umgesetzt, haben sich ungefähr 24-26° bewährt. Für adulte Zuchttiere reichen 23-24° völlig aus!

Fein, die Guppies schwimmen munter im Becken, haben den Transport und die Eingewöhnung gut überstanden. Sie haben auch beachtet, in den ersten beiden Tagen nicht zufüttern, um den Tieren zusätzliche Belastung zu ersparen!
Dann fangen sie jetzt an mit dem füttern der Tiere. Sicher haben sie vom Züchter eine kleine Menge des gewohnten Futters der Tiere mitgenommen! Dies verfüttern sie sparsam in den ersten Tagen, aber irgendwann müssen sie selber füttern! Aber was?

Das tollste wäre, sie fütterten Lebendfutter! Gezüchtetes oder auch gekeschertes! Über die Zucht von Lebendfutter wurde schon viel geschrieben, ebenso über das keschern. Informieren sie sich im I-Net, auch im GB wurden schon viele Artikel dazu verfasst. Fragen sie mal nach, sie können die älteren Ausgaben anfordern bei der Geschäftsstelle.

Unerlässlich aber ist zur Aufzucht der Jungen ein spezielles Futter. Das allerbeste sind frischgeschlüpfte Artemien. Aber auch dekapsulierte sind ein gutes Futter, was den Nährwert angeht. Ein Geheimtipp sind feingemahlene Seidenraupen! Ich gebe in das Raupen Pulver (ich mahle die Raupen mit einer Kaffeemühle) noch ca. 5% Spirulina Pulver! Mit über 60% Protein für die Kleinen ein Wachstumsbeschleuniger! Vor einigen Jahre auf den Markt gekommen, Baby Star! Auch vom Nährwert her sicher nützlich, aber meine sind verwöhnt und wollen nach den lebenden Artemien jagen!

Für die Fütterung allgemein gilt: Häufig, aber immer nur wenig!! Und abwechslungsreich füttern! Gutes Frostfutter (achten sie darauf, wie frisch das Futter ist. Kaufen sie nie schon mal angetautes Futter mit Frostbrand) gehört durchaus dazu, aber auch gutes Trockenfutter. Wegen der hohen Wasserbelastung durch Flockenfutter sollten sie granuliertes Futter bevorzugen. Achten Sie auf Qualität. Kochfutter das mit hohen Temperaturen (120°) hergestellt wurde ist abzulehnen. Die guten Extrudate werden mit ca. 60 - 80° hergestellt. Mittlerweile gibt es sogar schon Niedrigtemperaturfuttersorten, die mit ca. 30° hergestellt werden. Teuer, aber sehr gut!!!

Kaufen sie kleine Einheiten, so dass sie immer frisches Futter zur Hand haben! Finger weg vom 10 L Eimer! Einmal angebrochen verliert das Futter rasend schnell an Qualität! (Oxidation)
Ein weiteres heißdiskutiertes Thema ist die Zugabe von Vitaminen. Ich mache es! Werdende Mütter, Ausstellungstiere, Babies, alte Zuchttiere, alle bekommen bei mir Zusatzvitamine! Sowohl ein Multivitaminpräparat als auch B Vitamine!! Aber auch hier ist die Qualität der Produkte von entscheidender Bedeutung! Ich verweise auf die Artikel von Dr. Hans Classen in den letzten Ausgaben des GB!

Bitte beachten sie, ihre Tiere sind kleine Hochleistungssportler! Sie erwarten von ihnen Zuchterfolge und wenn's geht auch Ausstellungsmeriten! Die Engländer haben dafür einen passenden Spruch: You can only get out what you put in it before! Anders ausgedrückt, sparen sie nicht am Futter, sie werden es sonst bereuen!
So, nun warten wir auf die ersten Jungen! Die sollten sich wenn alles klappt nach ungefähr 4 Wochen einstellen. Aber o Schreck! 5 Wochen sind vergangen und sie haben immer noch keinen Nachwuchs! Guppies wohlgemerkt! Gemach, gemach! Haben sie jungfräuliche Weibchen gekauft, kann das schon mal, in Ausnahmefällen bis zu drei Monaten dauern, bis die ersten Jungen eintreffen! Das ist auch abhängig von der Grundfarbe der Fische, die sie züchten wollen! RREA`s (Real Red Eye Albinos) sind ein wenig langsamer, sowohl in der Wachstumsgeschwindigkeit als eben auch hierbei! Also nur Geduld! Aber bei vier Trios werden sie sicher nicht lange warten müssen!

Die meisten Stämme sind non kannibal, fast immer sind es nur junge und unerfahrene Weibchen, die nach den Jungen schnappen! Trotzdem sollten sie in die 12 L Becken Schutz für die Jungen einbringen. Schwimmpflanzen oder Plastikgeflecht haben sich hier sehr bewährt!
Achten sie darauf, dass die Mütter früh genug in die Wurfbecken kommen! Geben sie ihnen Zeit, sich an das neue Becken zu gewöhnen. Beim herausfangen vermeiden sie jede Hektik für die Weibchen! Lassen sie sich Zeit! Den Zeitpunkt des Umsetzens erkenne sie häufig am der Zunahme des Umfangs der Weibchen!
Hier kommt nun ein ganz wichtiger Rat: Lernen sie ihren Stamm kennen, in- und auswendig! Das ermöglicht ihnen später unter anderem das mühelose erkennen des richtigen Zeitpunktes des Umsetzens! Aber noch viel mehr, es hilft die Tiere richtig zu selektieren, es macht das züchten leichter!!

Irgendwann kommen sie morgens an die Anlage und sehen voller Freude, die Jungen sind da! Nun beginnt die Zeit der Aufzucht, des Beobachtens und der Suche nach ersten Unterschieden zwischen Männlein und Weiblein. Gespannt warten sie auf die ersten Anzeichen von Farbe! Der zweite Rat, besser noch Grundsatz: Haben sie Geduld! Guppyzüchter brauchen viel davon!

Mit ca. drei Wochen beginnt sich bei den Männchen die Afterflosse zum Gonopodium umzubilden. Die Flosse wird spitzer und länger! Bei den Weibchen bleibt die Flosse runder. Auch kann man bei den Weibchen den Trächtigkeitsfleck gut erkennen. Die Mädchen sind fast immer etwas runder der Körperform, die Jungs wirken schlanker und eleganter! Nun ist die Zeit gekommen, die ersten Aufzuchtbecken zu bevölkern! Je nach Zuchtmethode, trennen sie nun die Tiere nach Geschlechtern oder setzen den gesamten Wurf in ein Becken!

Aber Vorsicht, hier ist ein Knackpunkt in ihrer Züchterkarriere! Denn Guppies vertragen viel, aber sie hassen es umgesetzt zu werden! Gehen sie folgendermaßen vor. In das Becken, wo die Tiere hinein sollen geben sie pro 10 L Wasser einen gehäuften Teelöffel Salz. Vorher haben sie einen größeren Wasserwechsel vorgenommen! Gleichen sie die Temperatur dem des Beckens an, aus dem die Tiere kommen! Fangen sie die Tiere gaaanz vorsichtig aus dem alten Becken und setzen sie dann um! Vorher habe sie das alte Becken mit dem Wasser aus dem neuen Becken mittels täglichen Wasserwechsels von einem Liter völlig aufgefüllt! Nun sollte eigentlich nichts mehr schief gehen! Achten sie darauf, das sie in den ersten beiden tagen nicht oder nur sehr wenig füttern. Ersparen sie den Tieren jede unnötige Belastung! Also auch kein hantieren im Becken, wenn sie ein missgestaltetes Tier sehen, das sie herausfangen müssen! Das machen sie später!
Aber alles hat geklappt und die ersten Heranwachsenden schwimmen in ihren Becken! Und nun heißt es wieder Geduld zu haben. Bis man etwas über den Zuchtwert sagen kann vergehen Monate. Natürlich sind deformierte Tiere oder dem Zuchtziel nicht entsprechende ständig zu entfernen. Beobachten sie ihre Tiere täglich! Achten sie auf Vitalität! Das sollte ihr oberstes Zuchtziel sein!
Sie sind soweit, sie haben sich Kenntnisse angeeignet der Futterkunde, sie wissen wie man eine Anlage aufbaut, wie man Becken einrichtet und haben die ersten Zuchterfolge.
Zuchterfolge? Oder haben sich die Tiere nicht eher einfach vermehrt, wie alle Guppies das machen auch ohne menschliche Einwirkung? Bezeichnen sie sich also als Guppyhochzüchter? Und wenn ja, was ist das überhaupt, Hochzucht?

Zunächst, das ist kein geschützter Begriff mit einer genauen Definition. Im Gegensatz dazu wird der Begriff „züchten" im Duden, Herkunftswörterbuch als von „ziehen, aufziehen usw." recht genau erklärt wird.
Daher hier meine, subjektive aber sehr treffende Definition: Hochzucht ist die Zucht nach einem festgelegten Standard, deren Zuchtprodukte zwecks des Vergleiches und der Kontrolle der Ergebnisse der Zucht auf Ausstellungen vorgestellt werden.
Andersrum, Hochzüchter ist, wer seine Tiere ausstellt. Der sich der Konkurrenz stellt und seine Tiere im harten Wettstreit (anhand eines Standards) beurteilen lässt!